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Yang Stil Taijiquan



Yang Stil-Taijiquan ist der wohl populärste Stil des Taijiquan


Besonderes Interesse galt diesem Stil seit 1955 bei der offiziellen Förderung des chinesischen
Gesundheitsministeriums für die Gesundheitsvorsorge und Linderung chronischer Beschwerden
durch Taijiquan und seine Entwicklung der modernen Kurzformen (Pekingformen: 8er, 16er,24er …)
als weitere Verbreitung. Heute sind auch die traditionellen Überlieferungen des Yang Stil-Taijiquan
mehr und mehr zugänglich. Chinesische Fachleute und Forscher der chinesischen Wushu-und Qi Gong-Künste
sind sich einig, dass dem Yang Stil-Taijiquan eine außerordentlich hohe Bedeutung bei der Wiedererlangung
einer stabilen Gesundheit und der Balance der Einheit mit der Natur durch seinen speziellen Bewegungscharakter zusteht.


Die Tradition des Yang Stil-Taijiquan in Nordchina

Yang Stil-Taijiquan wurde um ca. 1850 von Yang Lu Chan, der aus Yongnian stammte, begründet. Der Meister der inneren Kampfkünste hatte fast 30 Jahre bei dem Oberhaupt der Chen-Familie Chen Changxing in Chenjiagou Taijiquan gelernt, und während seiner Reisen durch China, seiner Lehrtätigkeit am Kaiserhof und seiner vielen Kämpfe, die Erfahrungen und Techniken seiner Kunst im Yang-Stil vereint. Wahrscheinlich aber trugen seine Schüler – die aus den Kreisen von Gelehrten, Kampfkünstlern und Elitesoldaten stammten sowie seine Söhne Yang Ban Hou & Yang Jian Hou ebenso zur Entwicklung des Stil´s bei, da sie nicht nur die Lehrtätigkeit am Kaiserhof fortsetzten, sondern auch eigene Erfahrungen und Entwicklungen miteinbrachten. Auch die befreundete Familie Wŭ aus Yongnian, deren Adelsabstammung und Kriegerausbildung zum Kontakt der Kaiserfamilie verhalfen, widmete sich der Entwicklung des Taijiquan. Wŭ Yu Xiang war der Freund & Schüler von Yang Lu Chan und entwickelte später, nach seinem Aufenthalt im Dorf Zhaobaozhen eine eigene Übungsform, die später den Stil „ Wŭ “ bildete, der fast ausschließlich in Yongnian geübt wurde. Ihm wird auch die Verwahrung & Kopie der „Taijiquan Jing“-Schrift des Wang Zong Yue zugeschrieben.

Einige weniger bekannte Traditionen – fast schon Raritäten – gehen auf die Beijinger Schüler von Yang Lu Chan zurück:

Die Tradition des Yang Stil-Taijiquan in Beijing & der Nanjing National Wushu-Akademie

Der Gründer des Yang Stil-Taijiquan Yang Lu Chan hatte durch seine Fähigkeiten eine Anstellung als „Ausbilder“ der kaiserlichen Leibgarde am Hofe in Beijing. In jener Zeit gehörte Yang Lu Chan zu dem Kreis der „inneren Kampfkunst“-Meister am Hof, wie Guo Yunshen ( Xingyiquan ) und Dong Hai Quan ( Bagua Zhang ).

Aus den Schülern Yang Lu Chan´s aus Beijing wird im folgenden Wu Junshan genannt. Dieser außergewöhnliche Meister war ebenso für seine Fähigkeiten im Bagua Zhang berühmt und unterrichtete in Nanjing den Kampfkunst-Meister und General Zhang Xiang Wu in einer alten Form des Yang Stil-Taijiquan, die der Überlieferung nach auf Yang Lu Chan zurückzuführen ist, und aufgrund seiner komlexen „inneren“ Komponente aus der Vereinigung mit Bagua Zhang- & Xingyiquan-Elementen in China heute als „Bagua-Taijiquan“ bezeichnet wird.

Zhang Xiang Wu hat seinerseits das Taijiquan und die inneren Komponente der Form durch sein jahrelanges Training im Bagua Zhang, Wudang Kun Wu-Schwert und Bajiquan u.a.weiterentwickelt und auch in seine Grundform der 85er einfließen lassen.

In der 3.Generation der Yang- Familie wurde der Meister Yang Cheng Fu einer der berühmtesten der neuzeitlichen Taijiquan-Geschichte. Seine Entwicklung der Yang-Form gab dem Stil seinen heute bekannten Charakter, der bis heute als „Yang-Stil“ bezeichnet wird, alle modernen Entwicklungen des Yang-Stil (bis auf wenige Ausnahmen) lassen sich auf die Form von Yang Cheng Fu zurückführen.

Zu seiner Form gefragt, antwortete einmal Yang Cheng Fu:

„Zuerst strebt man nach Ausdehnung in der Bewegung, danach nach Kompaktheit. Für alle die, die mit Taijiquan anfangen, sind große Bewegungsrahmen angebracht. Er bewirkt, dass Sehnen-und Knochenapparat in der richtigen Weise gedehnt werden, das Blut und Qi in ausreichendem Maße fließen und das man die Orientierung festlegen kann. …“

Der Yang-Familien Hauptverteter Yang Chengfu (1883-1936) veränderte die überlieferte Form der Yang-Familie und der Yang Lu Chan-Überlieferungen und vereinfachte Form & Bewegung hinsichtlich der Ausführung. Gleichzeitig wurden die Bewegungen größer und ausgedehnter. In der 85er Form von Yang Cheng Fu spielt das „Zurückhaltende“ und die „Ruhe“ in der Bewegung eine besondere Bedeutung. Die innere Kraft „Jin“ wird nach außen hin sanft und kaum sichtbar auf diese Weise zum Ausdruck gebracht. Auch aus diesem Grund der besonderen Charakteristika der Form, wurde sie für die Gesundheitsübung interessant.

Von vielen Yang Stil-Vertretern wird daher die „Große Form“ 85er als Maßstab angesehen. Auch das offizielle Familienoberhaupt der 4.Generation Großmeister Yang Zhen Duo, einer der letzten lebenden Söhne von Yang Cheng Fu, überliefert hauptsächlich diese Form.( die Zählweise der Bewegungen veränderte Yang Zhen Duo auf 103 )

Eine spezielle Kurzform, ist die sogenannte „ Form der 13 Bewegungen“, „13er Form“ oder „Form der 4 Richtungen“ genannt. Die 13er Form besteht nur aus den Positionen „Den Spatzenschwanz zeichnen“ ( lan qiao wei ) & „Einfache Peitsche“ ( dan bian ) die in 4 Himmelsrichtungen und in einem Kreislauf wiederholt werden. Sie wurde innerhalb der Yang-Familie und den Yang Lu Chan-Schülern als eine der vielen Trainingsmethoden wie „Taiji-Qi Gong“ o.ä. auch als innere Übung überliefert. Nach den Handformen kann der Taiji-Übende sein Training vertiefen und weiter entwickeln:

Das „Tui Shou“-Partnerformen System des Yang-Stils ist sehr umfangreich.
  • einhändiges Tui Shou in verschiedenen Ebenen
  • beidhändiges Tui Shou mit verschieden Hand-und Richtungswechseln ( beides chin.: Dingbu )
  • Tui Shou mit 3 & 5 Schrittfolgen, Hand und Richtungswechseln ( hou bu tui shou, da lü )
  • „Ungeordnetes“ Tui Shou ( luanhuan )
  • Freies Tui Shou ohne festgelegte Form, „sich lösende Hände“ ( san shou )
Die „Tui Shou“-Partnerübungen des Taijiquan werden im Gesundheitstraining orientierten Europa oft missachtet und vernachlässigt, stellen aber für das Verstehen und Üben von Taijiquan und den gesundheitlichen Vorteilen des Formübens eine wichtige Vorraussetzung dar. Zudem haben sie dieselben gesundheitlichen Wirkungen wie die Form ( !!! ) und lassen bei den Übenden nicht nur Lockerheit und Entspannung entstehen, sondern bereiten auch im partnerschaftlichen Kontakt beim Üben viel Spaß. Von psychosozialer Bedeutung ist das „Berühren“ des Partners, der Körperkontakt und der Umgang mit „Kraft“ und „Weichheit“ des Anderen von nicht zu unterschätzender Wirkung.

Das freundschaftliche Üben der Taiji-Anwendungen in der traditionellen inneren Kampfkunst trägt das ungeschriebene daoistische Gesetz des „Nicht-Verletzens“ des Partners. Hebel & Angriffstechniken werden nur unter sehr fortgeschrittenen Taiji-Schülern mit einem gehörigen Maß an Charakter-und Persönlichkeitsentwicklung geübt.

Wer „Tui Shou“ oft und richtig übt, wird zu einem „Fan“ dieser Übungsform des Taijiquan.

Taijiquan – Waffenformen

Im traditionellen Yang-Stil existieren 3 grundlegende Waffenformen:

Schwert, lange Form 54er
Säbel, 13er Form
Langstock / Lanze, 13er Form


Im Laufe der Yang-Stil Entwicklung haben sich noch mehr Waffenformen entwickelt.
Im heutigen China führen diese Formen sogar schon ein regelrechtes „Eigenleben“ im Sport & Wettkampf.

In der Überlieferung existierten bis zur 3.Generation im Yang-Stil nur die Handform, einige Set´s von Einzel-und Komplexübungen, Freikampf-und Partnerübungen und Grundübungen für Schwert, Säbel & Langstock. Altmeister Yang Cheng Fu entwickelte gemeinsam mit dem berühmten General & Meister der inneren Kampfkünste von Wudang, Li Chin Ling eine Yang-Stil Schwert Form mit 54 Bewegungen. Grundlage war die von Meister Li Chin Ling überlieferte Wudang-Kun Wu Schwert Form.

In der klinischen & therapeutischen Arbeit mit Taijiquan in China spielt das Üben der Schwert-Form eine besondere Rolle.