Taijiquan Sächsische Schweiz

Bajiquan

Bajiquan - die Faust der Acht Extreme

„Bajiquan“ heißt: die Kampfkunst, die sich der acht höchsten (weitesten) Ausdehnungen bedient, oder kurz: Die Faust der Acht Extreme. (gesprochen: "ba-dschi-tschüen") „Baji“ ist ebenso wie „Taiji“ ein alter philosophischer Begriff aus dem Daoismus, der die Grenzen der acht räumlichen Ausdehnungen beschreibt.

Wer Bajiquan lernen will, der akzeptiert, dass er dabei bis zur Grenze seiner physischen und psychischen Kraft gehen muss. Im Bajiquan gibt es keine Kompromisse, weder im Training noch in der Kampftechnik. Bajiquan ist kein "Kung Fu für die Straße" - es ist gefährlich und jeder Bajiquan-Übende und Lehrende sollte sich der Verantwortung und der richtigen Kontrolle bewußt sein, die seine Praxis und die daraus resultierende Anwendung im Alltag betrifft. Nur wer reinen Herzens, aufrichtig ist und ohne Aggression denkt und handelt, darf Bajiquan lernen. Selbst viele der alten Bajiquan-Meister waren nicht rein von Aggressionen und für ihre Gewaltexzesse berühmt und berüchtigt. 

Es ist wohl der furchteinflössenste und explosivste Wu Shu-Stil China´s und die Liste seiner Meister liest sich wie ein "who-is-who" der letzten Kampfkunst-Meister des alten China:

„Göttlicher Speer“-Shen Qiang Li Shu Wen (1860-1934), war sein berühmtester Meister während der Qing-Dynastie und der Republik China und der Lehrer vieler berühmter Kämpfer und Militärführer. Er galt als unbesiegbar und wurde gefürchtet, da er mit einer einzigen Technik seine Herausforderer niederstreckte. Durch eine hinterhältige List wurde er im Alter von 74 Jahren vergiftet.

Huo Dian Ge, der älteste Schüler von Li Shu Wen, war der Leibwächter und Kampfkunstlehrer des letzten Kaisers Pu Yi. Li Jian Wu, wurde ein berühmter Leibwächter von Mao Ze Dong & Zhou En Lai. Liu Yun Qiao, wurde der Ausbilder der Leibgarde des Präsidenten von Taiwan und machte Bajiquan außerhalb von China bekannt.

Zhang Xiang Wu (1873-1959) war einer der Top-Schüler von Li Shu Wen. Durch sein excellent hohes Level im Bajiquan meisterte er mehrere Innere Stile des Wu Shu, wie Taijiquan, Bagua Zhang und Kun Wu-Schwert. Er war als Ausbilder einer Garde in der Nordostarmee und als Vizepräsident der Nationalen Kampfkunstakademie in Nanjing von 1928-1936 tätig.

Obwohl Bajiquan eine „harte“, „äußere“ Kampfkunst ist, dessen Technik sehr gezielt und unmissverständlich auf die Überwältigung eines oder mehrerer Angreifer ausgerichtet ist, liegen in seiner Kunst auch sehr viel bedeutsame Qi Gong-Techniken und Fähigkeiten verborgen.

Die Bewegungen des Bajiquan sind zunächst einfach, kurz, schnell und werden mit einem Einsatz von explosiver  Atmung und Körperspannung begleitet. Es geht darum, die „Acht Körperteile“ (Kopf, Schultern, Ellebogen,  Hand/Faust, Hüfte, Gesäß, Knie und Fuß) in schneller und verbundener Koordination und „Innerer Kraft“ (jin)  in einem Punkt einzusetzen. Dabei kann sich die innere Kraft in alle „8 Richtungen“ gleichzeitig ausdehnen. Das „Qi“ im Dantian wird kompressiert, um dann wie ein Kanonenschuß explosionsartig nach außen im „Fa Li“ (Kraftausstoß) eingesetzt zu werden.

Dies gibt dem Bajiquan die von außen erscheinende furchteinflössende und schockierende Art. Ein Vergleich: In den Eingängen vieler Tempel China´s stehen die  „guten Dämonen“ die Jingang, Buddhawächter, furchteinflössende Gestalten mit drohenden Gebärden und schrecklichen Waffen in der Hand. Im chinesischen Volksglauben schützen diese den „Buddha-Dharma“ (die buddhistische Lehre) vor bösen Einflüssen und halten die Lehre „rein“.Viele der Bajiquan-Meister wurden wegen ihres edlen Charakters und die Gerechtigkeit mit furchtlosem Kampf verteidigenden Einsatzes als „lebende Jingang s“ bezeichnet und verehrt. Heute gibt es sowas nicht mehr...

Das Basis-Set im Bajiquan heißt „Jingang Ba Shi „ die Acht Buddhawächter-Haltungen, das sind acht Techniken, die wie im Xingyiquan, die „5 Faustformen“(wu xing quan) in 2 Bahnen gelaufen, wiederholt werden. Die 2 Basis-Handformen sind „Xiao Baji“ und „Da Baji“. Xiao Baji,das kleine Baji-ein Formablauf mit kurzen, kraftvollen Techniken und Grundlagen. Da Baji, das große Baji-ein Formablauf mit kurzen und weiten Techniken, vielen Richtungswechseln und Sprüngen. Zum Da Baji gibt es dann eine darauf basierende Partnerform „Dui Lian“: 2 Partner laufen einen festgelegten Formablauf, der einem Kampf gleicht. Danach kann man weitere 8er Set´s erlernen, wie „Liu Da Kai“, „Ba Da Zhou“ etc…sowie sein Training in Qi Gong, Zhan Zhuang Gong, „Stehende Säulen“ vertiefen.

Die traditionellen Waffenformen des Bajiquan sind „Säbel“ (baji dao) und „Speer“ (baji qiang), die im Wushu besonders durch ihre einzigartige Eleganz und Kampftechnik bewundert werden und auf Wettkämpfen immer wieder vorderste Plätze erzielen.

Neben den durch das Training für jeden zu erreichenden „Fähigkeiten“ (gong fu) in Kampfkraft, Gesundheit, Körper-und Geisteskraft, Mentaler Stärke und Charakter bietet das Bajiquan ein  excellentes Level, um auch andere Innere Kampfkünste und Qi Gong verstehen, üben und auch dort ein hohes Niveau zu erreichen zu können.


Bajiquan-Stammbaum & Übungsformen

Großmeister Zhang Xiang Wu war einer der engsten "Tu Di"-Schüler von Li Shu Wen (5.Generation). Mit 8 Jahren begann Meister Li Suiyin sein Bajiquan-Training bei Zhang Xiang Wu. Meister Li Suiyin ist heute einer von vier der ältesten noch lebenden Meister der 7. Generation in ganz China. Sein Curriculum umfasst das vollständige Bajiquan-System aus Hand-, Partner-und Waffenformen (einige siehe oben).

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